Mosaik aus Wald und Wasser auf der Finnischen Seenplatte, das Richtung Norden zunehmend durch Moorflächen unterbrochen wird

Klimawandel im Norden — das Waldgrenzökoton im Fokus der Wissenschaft

Waldgrenzforschung in Finnland

4 Waldgrenzforschung in Finnland

Bereits seit 1980 unterhält das finnische Waldforschungsinstitut METLA (MEtsänTutkimusLAitos = finn. Waldforschungsinstitut) in Kooperation mit den Universitäten Helsinki, Oulu und Turku ein langfristiges Forschungsprojekt, welches sich unter anderem mit Verjüngungsdynamiken und Nordwärtstrends im Bereich der polaren Wald- und Baumgrenze Finnisch-Lapplands beschäftigt. Untersucht werden die Verjüngungs- und Regenerationspotentiale der Waldkiefer (Pinus sylvestris L.), der Gemeinen Fichte (Picea abies (L.) H. Karst) sowie der Fjell-Birke (Betula pubescens Ehrh. ssp. czerepanovii (Orlova) Hämet-Ahti) unter vergangenen und gegenwärtigen klimatischen Bedingungen. Ziel ist auch hier eine verlässliche Prognose der zukünftigen Waldflächenentwicklung und Baumartenverteilung (Hyppönen 2013).
Für die Etablierung neuer Individuen nördlich der derzeitigen Baumgrenze sind die klimatischen Gegebenheiten das Schlüsselelement. Bisherigen Untersuchungen zufolge wird für den finnischen Raum ein insgesamt wärmeres und feuchteres Klima insbesondere in den Wintermonaten erwartet (Tuomenvirta 2010), wie eine Auswertung langfristiger Datenreihen bereits bestätigen konnte. Alle Untersuchungsregionen in Finnisch-Lappland wiesen eine Zunahme der Jahresmitteltemperaturen mit verstärkter Tendenz im Spätsommer sowie den Wintermonaten auf (vgl. Tab.1). Signifikant waren hierbei sowohl der Monat Juli mit einer Zunahme von 2,1°C als auch der August mit 2,7°C (Langer 2010). Basierend auf der bisherigen Temperaturentwicklung wird vermutet, dass die jährliche Wärmesumme bis zum Jahr 2100 um mehr als 500 Gradtage ansteigen und die Vegetationsperiode damit um 30–50 Tage verlängern wird (Juntunen/Neuvonen 2006). Betrachtet wird hierbei jedoch nur ein kleines Zeitfenster der Erdgeschichte, deren klimatischer Zyklus bereits früher entsprechende Tendenzen erkennen ließ, sodass bisher noch unklar ist, ob der derzeitig messbare Trend fortgeführt werden oder in einigen Jahrzehnten wieder rückläufig sein wird. Die mittleren Jahresniederschläge verzeichneten im Vergleich mit den Vorjahren landesweit eine Zunahme, wobei wiederum die Wintermonate den deutlichsten positiven Trend erkennen ließen. Die Sommerniederschläge gestalteten sich hingegen insbesondere in Polarkreisnähe als sehr unregelmäßig und ließen zunehmend Niederschlagsereignisse mit geringen Niederschlagsmengen erkennen. Dies führt aufgrund höherer Temperaturen und damit einhergehenden Evaporationsraten zu einem insgesamt ungünstigeren Wasserhaushalt in der Vegetationsperiode. Eine hohe Interzeption in Baum- und Strauchschicht reduziert vor allem bei gemäßigteren Niederschlägen die Sickerrate und damit Grundwasserneubildung (Langer 2010), sodass eine Absenkung des sommerlichen Grundwasserspiegels bereits jetzt erkennbar trockenere Böden während der Vegetationsperiode zur Folge hat (Tuomenvirta 2010).
Dennoch ist in Finnisch-Lappland derzeit eine Ausweitung der Waldfläche zu beobachten, was auf eine Dominanz thermischer Gunstbedingungen gegenüber potentiellem Trockenstress hindeutet (Juntunen et al. 2002). Die Kiefer ist hierbei eine Nadelbaumart, deren Wachstums- und Verjüngungsverhalten rasch und deutlich auf klimatische Veränderungen reagiert, sodass sie in der Klimafolgenforschung häufig als Referenzbaumart verwendet wird.

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