Mosaik aus Wald und Wasser auf der Finnischen Seenplatte, das Richtung Norden zunehmend durch Moorflächen unterbrochen wird

Klimawandel im Norden — das Waldgrenzökoton im Fokus der Wissenschaft

Wohin soll die Reise gehen?

6 Wohin soll die Reise gehen?

Die bisherigen Erkenntnisse ermöglichen zumindest im Rahmen der Kohlenstoffkompensation eine unterstützende Forstwirtschaft, um dem Maßnahmenkatalog der REDD+-Initiative gerecht zu werden. Die Herkunft des Saatgutes und damit die genetische Beschaffenheit der Jungpflanzen ist relevant für die Resistenz gegenüber widrigen Wachstumsbedingungen sowie die optimale Ausnutzung der Vegetationsperiode (Helama et al. 2008). Entsprechende Pflanzungen könnten daher im Sinne des Wald- und Emissionsschutzes vorgenommen werden. Fraglich ist bisher allerdings, in welcher Relation sich die südliche und nördliche Grenze der borealen Zone zueinander verschieben werden, da die immergrüne Nadelwaldvegetation im Süden Finnlands vermutlich zunehmend durch laubabwerfende Arten verdrängt und die boreale Nadelwaldzone damit in ihrer Fläche reduziert werden wird. Sommergrüne Vegetation bindet aufgrund zeitlich begrenzter Assimilation weniger CO2 und liefert leichter zersetzbare Streu, sodass der Kohlenstoffspeicher in toter organischer Masse damit abnähme (Kellomäki/Kolström 1992). Interessant ist weiterhin die Frage, wie sich eine veränderte Vegetationsbedeckung und Artenzusammensetzung auf die Rückstrahlung der solaren Wärmestrahlung auswirkt und welche Rückkopplungseffekte daraus für das globale Klimasystem entstehen. Ein Greening der Tundra aufgrund polwärts migrierender Nadelwaldvegetation würde in einer verringerten Albedo und damit einer Erwärmung der entsprechenden Gebiete resultieren, wie bisherige Trends für die Region Finnisch-Lapplands sowohl hinsichtlich der Winter- als auch der Sommermonate vermuten lassen (vgl. Abb. 4) (Zhang et al. 2013).
Bisher liegen demnach zu viele Komponenten des komplexen Wirkungsgefüges im Ungewissen, um eine sichere Aussage über die Reaktion der Vegetation auf klimatische Änderungen und etwaige Folgen treffen zu können. Es besteht daher weiterhin Forschungsbedarf, um in der Zukunft zum einen trotz großer standörtlicher Differenzen einen Rückschluss auf die großräumige Bewertung des borealen Raumes ziehen, zum anderen jedoch auch die Folgen für den Mineralstoffkreislauf und die Kohlenstoffbindung in Bio- und Pedosphäre abschätzen zu können. Langfristiges Ziel wird es sein, bisher separate Ergebnisse und Methoden zusammenführen und ein weitreichendes Verständnis der Verjüngungsdynamiken sowie der Adaption der Gehölzvegetation an klimatische Änderungen erlangen zu können. Die weitere Forschung im nördlichen Raum wird zeigen, ob wir uns in Zukunft nicht mehr um die monokulturell anmutenden Nadelwälder des Nordens sorgen müssen als um die exotische Vielfalt des Regenwaldes.

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